Lloyd Fonds Best of Shipping: Landgericht Itzehoe verurteilt comdirect zu vollem Schadensersatz an Mandanten von Michael Minderjahn

Mit Urteil vom 01.12.2015 hat das Landgericht Itzehoe einem Kunden der ehemaligen comdirect private finance AG (heute comdirect bank) Schadensersatz wegen Falschberatung zugesprochen.

Was war gesehehen?

Der Berater hatte dem Familienvater im Jahre 2008 eine Beteiligung an dem Dachfonds Best of Shipping (Erste Lloyd TradeOn Portfolio GmbH & Co. KG) des Emissionshauses Lloyd Fonds empfohlen. Auf das Beratungsangebot seiner Bank, der comdirect, ging der Anleger ein.

Vorab hatte der Anleger, der schon vorher bei der comdirect Kunde war, im ersten Termin mit dem Berater klargestellt, dass er und seine Gattin keine Aktien mehr im Depot haben wollten, weil diese ihnen zwischenzeitlich durch die Wertschwankungen als zu risikoreich erschienen. Obwohl der Berater lediglich eine mittlere Risikobereitschaft sowie moderate Renditewünsche notierte, empfahl er dem Anleger die Zeichnung einer Schiffsbeteiligung. Er gab ihm einen Flyer mit.

Im Folgetermin wurde dann nochmals über die Beteiligung gesprochen. Von selbst nannte der Berater keine wesentlichen Risiken. Allerdings erklärte er auf Nachfrage, dass etwaige Risiken des Fonds durch die Streuung auf ganz viele Schiffsbeteiligungen erheblich minimiert seien. Schiffe seien von Börsenturbulenzen weitgehend unabhängig. Den Emissionsprospekt erhielt der Kläger erst an diesem Tage, an dem er auch die Beteiligung zeichnete.

Comdirect wird zu vollem Schadensersatz verurteilt

Das Gericht sah es nach Beweisaufnahme als erwiesen an, dass mein Mandant weder anleger- noch objektgerecht beraten worden sei. Keineswegs sei davon auszugehen, der Anleger hätte – wie die Bank behauptet hatte – den Prospekt schon Wochen vorher bekommen. Genau das sollte aber ein Formular, dass die comdirect damals verwandte, belegen. Auch sollte sich aus dem Beratungsprotokoll ergeben, dass dem Kunden sehr wohl die vielen Risiken (es handelt sich zudem auch noch um einen blind pool, bei dem die konkret zu erwerbenden Beteiligungen gar nicht feststanden!) erklärt worden seien. Der von mir vertretene Anleger konnte so belegen, dass ihm gar nicht bewusst war, um wie vieles die Beteiligung gefährlicher ist als die Aktien, denen er schon nicht mehr traute.

Die Bank muss daher die Beteiligung übernehmen, dem Anleger das in der Beteiligung noch steckende Kapital nebst Zinsen zahlen und ihn von allen Verpflichtungen aus der Beteiligung freistellen. Außerdem hat sie die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Konsequenzen

Das Urteil zeigt: Kunden der ehemaligen comdirect private finance stehen keineswegs auf aussichtslosem Posten. Nach meiner Erfahrung handelt es sich keineswegs um einen Einzelfalls, dass trotz mittlerer Risikobereitschaft den Kunden hochriskante Beteiligungen empfohlen wurden. Um eine solche handelt es sich nämlich auch bei einem sog. Zweitmarktfonds. Gerade weil diese sich an vielen Schiffsfonds beteiligen, ist das Risiko eines Teilverlusts schon sehr hoch. Im Jahre 2008 waren zudem die Zeichen bereits für die Schifffahrt „auf Sturm gestellt“. Die Konsequenzen der Finanzmarktkrise zeichneten sich bereits ab und lagen ab dem Zusammenbruch von Lehman Bros. bereits offen zutage. Trotz des Beratungsprotokolls kann – etwa durch Zeugen oder Schriftverkehr – durchaus auch belegt werden, dass die Beratung eben doch anders abgelauften ist, als dort dokumentiert ist.

Fragen Sie mich, ich berate Sie gerne und stehe für ein erstes, unverbindliches Telefonat gerne zur Verfügung!